Historie

Die Historie der Abteilung Tennis des SV Chemie Böhlen geht weit zurück. Hier sehen Sie Auszüge aus dem Artikel „Die Entwicklung des Tennissports in Böhlen bis 2007“ von Alfred Staroste (bis zum Jahr 1983), Manfred Ebisch und Reinhard Zimmermann aus dem Jahr 2008.

 

Von den ersten Aufschlägen in Böhlen bis zum Jahre 1945

Die ersten Anfänge des Tennissports in Böhlen sind im Jahre 1929 zu verzeichnen. Ein Platz wurde an der “Jahnbaude” gebaut, der wohl in erster Linie für die leitenden Angestellten des wenige Jahre zuvor errichteten Braunkohlen- und Großkraftwerkes Böhlen, der damaligen Aktiengesellschaft Sächsische Werke (ASW), gedacht war. Wenn sich auch diese enge Spielerbegrenzung im Laufe der Jahre aufhob, so waren doch die finanziellen Mittel der einzelnen Spieler die Voraussetzung, um den Tennissport zu betreiben. Dies drückt sich auch darin aus, daß in den Aufzeichnungen von Oberlehrer Fritzsche über den Turnsport an der Jahnbaude der Tennisplatz nicht erwähnt wird.

Der Bau des großen Chemiewerkes (der damaligen Braunkohle-Benzin AG) in den Jahren 1935/36 bracht der Gemeinde Böhlen einen erheblichen Einwohnerzuwachs, so daß der vorhandene eine Tennisplatz völlig unzureichend wurde. Die Braunkohle-Benzin AG (Brabag) ließ deshalb auf dem von ihr erworbenen Gelände (früher Fortunapark, bis 1990 Werner-Seelenbinder-Kampfbahn – WSK – und heute das Grundstück der Berufsschule) zwei neue Plätze errichten. Dies geschah zu Beginn des 2. Weltkrieges. Auch während des Krieges wurden die Tennisplätze regelmäßig genutzt. Gegen Kriegsende lag der Tennissport vollkommen brach (Interesselosigkeit der Spieler durch das Kriegsgeschehen, Materialmangel).

 

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Neubeginn nach dem Jahre 1945 und Bau von zwei weiteren Tennisplätzen

Nach Beendigung des Krieges bekundeten sowjetische Offiziere, die als Leitkräfte für den Wiederaufbau der schwer zerstörten zwei Großbetriebe eingesetzt waren, lebhaftes Interesse an der Wiederaufnahme des Spielbetriebes und bald wurden gemeinsam mit deutschen Spielern die ersten Bälle gewechselt.

Ab 1948 wurde dann organisiert Tennis gespielt d.h. die Sektion Tennis der damaligen BSG (Betriebssportgemeinschaft) “Aktivist” Böhlen wurde gegründet. Neben den „alten Hasen“ fanden viele neue Spieler Freude am Tennissport. So wurde bald eine Damen- und eine Herren-Mannschaft gebildet, die sich an Wettkämpfen beteiligten. Aufzeichnungen kann man aber entnehmen, dass die damaligen BSG (Betriebssportgemeinschaft) „Brennstoff“ am 17.6.1949 einschließlich der Sparte Tennis gegründet wurde und daraus die BSG “Aktivist” Böhlen in der 2. Jahreshälfte 1950 entstand.

Beide genannten Varianten können zugleich möglich sein, wenn man annimmt, dass die schon bestehende Sektion Tennis im Jahr 1949 mit übernommen wurde. Weiteren Aufzeichnungen zufolge betrug im Mai 1950 die Mitgliederzahl in der Sparte Tennis 20 Sportler. Gleichzeitig bestand noch eine zweite Sportgemeinschaft, die aus der BSG „Benzinwerk“ hervorgegangene BSG „Chemie“ Böhlen. Beide Sportvereine vereinigten sich später. Der Trägerbetrieb der BSG wurde das Kombinat Böhlen, das beide frühere Großbetriebe in sich vereinigte. Ab diesem Zeitpunkt schenkte man dem Tennissport mehr Aufmerksamkeit, da er nun auch breiteren Bevölkerungsschichten zugängig war.

Schon nach kurzer Zeit reichten die zur Verfügung stehenden Plätze nicht mehr aus bzw. war es dem Wettkampfbetieb nicht förderlich, daß eine räumliche Trennung (ein Platz an der Jahnbaude, zwei Plätze auf der WSK – Werner-Seelenbinder-Kampfbahn) vorhanden war. Es wurden deshalb Überlegungen zur Gewinnung weiterer Platzkapazitäten angestellt. Eine Ausweitung der Anlage neben den vorhandenen zwei Plätzen war nicht möglich (Begrenzung durch Pleiße, Fußballfeld und Straße). Es wurde deshalb der Beschluß gefaßt, in etwa 150 m Entfernung auf dem Gelände der WSK zwei neue Plätze zu bauen, was in den Jahren 1949/50 geschah.

Die Aktiven der Sektion Tennis waren mit Eifer bei der Sache und opferten viele freie Stunden und Wochenenden für die Anlagenerweiterung. Aus Trümmern zerstörter Anlagen des Kombinates Böhlen wurde die Packlage hergestellt. Die Decke brachte eine Spezialfirma auf. Die Umzäunung und sonstigen Einrichtungen wurden ebenfalls in Eigenleistung erbracht. Auch bei der Unterhaltung der Tennisanlage wurde viel persönlicher Einsatz und Opfer an Freizeit von den Tennis-Spielern verlangt – bedingt durch die Mangelwirtschaft in der DDR. Vor allem Sportfreund Otto Tänzer war hier immer aktiv und beispielgebend.

 

Gründe für den Neubau der Tennisplätze am Freibad

Als Mangel mußte auf der Tennisanlage immer das Fehlen eines Hauses mit Umkleide- und Aufenthaltesräumen angesehen werden. Der Bau eines solchen Hauses wurde früher stets mit der Begründung abgelehnt, daß zentrale Klub-, Umkleide- und Sanitär-Räume für alle Sportler in der WSK (s.o.) vorhanden seien. Diese lagen allerdings etwas weiter von den Tennisplätzen entfernt.

Ende der 60er Jahre gelang es endlich mit Unterstützung des Kombinatsdirektors Dr. Mahrwald (selbst Mitglied der Sektion Tennis und ein sportbegeisterter Direktor – er trieb auch den Bau der Sporthalle am Bad voran), ein aus 3 Segmenten bestehendes transportables Haus aufzustellen, das früher Umkleidezwecken auf Baustellen diente. Mit viel Liebe und Zeitaufwand und 800 freiwillig geleisteten Stunden von den Sektionsmitgliedern war damit eine wesentliche Verbesserung der Platzanlage geschaffen worden. Es blieb aber ein Provisorium.

In Zusammenarbeit mit einer Forschungsabteilung des Kombinates Böhlen wurde in den Jahren 1972/73 auf dem alten Tennisplatz an der Jahnbaude eine Bitumendecke aufgebracht. Es handelt sich hier um eine Test-Anlage, die vor allem in dem Winterhalbjahr benutzt werden sollte. Wegen der vielen kleinen Unebenheiten hat sich dieser Platz nicht bewährt, er wird jetzt vorwiegend von der Sektion Fußball benutzt. Die Planungen für einen neuen Standort der Tennisplatzanlage begannen schon in den 80er Jahren. Grund dafür war die Planung des Tagebaues mit einer Pleiße-Verlegung über die unteren zwei Plätze für das Jahr 1990. Vorgesehen für den Neubau war damals schon der Standort am Freibad Böhlen mit 4 Plätzen, Schlagwand, Tennishaus mit Umkleide-, Wasch-, Aufenthalts- und Geräteräumen.

Durch die Wende und die damit erfolgten Änderungen bei den Planungen des Tagebaues blieben die unteren zwei Plätze zwar bis 1998 erhalten, mußten jetzt aber dem Anbau des beruflichen Schulzentrums weichen. Dadurch ist der Neubau mit drei Tennisplätzen am Freibad Böhlen doch notwendig geworden.

 

Neubau der Tennisplätze am Freibad Böhlen

Beim Bau der neuen Tennisanlage mit drei Plätzen am Freibad Anfang des Jahres 2000 (Einweihung am 11.07.2000) und dem weiteren Ausbau des Tennishauses erfolgten die notwendigen Arbeiten und die Finanzierung durch viele Seiten.

Bis zum Jahre 2006 wurden insgesamt für die Errichtung der neue Platzanlage, den Umbau und Anbau Trafo-Gebäude sowie für den Deckenbelagsaustausch von den Sportfreunden (u.a. von Reinhard Zimmermann 270, von Horst Räuschel 308 sowie von Manfred Ebisch 312 Stunden) insgesamt ca. 2.407 Arbeitsstunden geleistet und große zusätzliche Werte geschaffen. Nicht eingerechnet die Arbeiten für laufende Platzpflege, wie z.B. Winterfestmachung, Inbetriebsetzung zum Saisonauftakt, erforderliche Modernisierungs- und Instandhaltungsarbeiten, Pflege des Umfeldes und Arbeiten nach Trainings- und Punktspielen, die durchschnittlich monatlich ca. 20 Stunden in den 7 Monaten der Tennis-Saison in Anspruch nehmen (140 Stunden/Jahr). Diese Arbeitsstunden sowie 5 Arbeitsstunden/Jahr und Mitglied für die Pflege des Umfeldes, die Wartung von Geräten und Reinigung des Tennishauses sind schon immer seit Bestehen der Sektion/Abteilung Tennis geleistet worden. Eine Unterstützung dieser Arbeiten durch Platzwärter (vor dem Jahr 1989) oder ABM-Kräfte, wie sie andere Sektionen unseres Vereins erfahren, wurden dem Tennissport nicht zuteil.

Zu erwähnen ist, daß beim Bau der Tennisplätze für das Ziegelmehl verunreinigtes Recycling-Material verwendet wurde. Das dadurch verursachte starke Wachstum von Moosen ergab einen erheblichen Mehraufwand an Kosten, Arbeitsstunden der Sportfreunde (497 Stunden) und Material – wegen des im Jahr 2003 notwendigen Deckenbelags-Austausch. (Die Materialkosten wurden von der Stadt und von der Versicherung übernommen, die Arbeit mussten durch die Sportfreunde geleistet werden, da die Bau-Firma der Tennisplätze in Konkurs gegangen war.)

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Übernahme der Tennisplätze im Jahre 2004 durch die Abteilung Tennis

Die Stadt Böhlen hat dem SV Chemie Böhlen angeboten, per 1.1.2004 die Tennisplätze mit allen Kosten zu pachten. In der Beratung des Vorstandes des SV Chemie Böhlen mit der Abteilung Tennis am 16.3.2004 wurde vereinbart, dass nach Übernahme der Tennisplätze die Finanzierung der Betriebskosten von der Abteilung Tennis übernommen wird.

 

Zusammenfassung

Die Sektion Tennis konnte in der vergangenen Zeit nur deshalb bestehen, weil eine Vielzahl von Sportlern sich in ihrer Freizeit für die Sektion Tennis, für die Unterhaltungsarbeiten und die Sportarbeit einsetzten. Die Tennis-Mitglieder führten die erforderlichen jährlichen Arbeiten für ihre Sportanlagen immer selbst mit Hingabe und Einsatzbereitschaft durch und opferten dabei einen großen Teil ihrer Freizeit. Zu erwähnen ist als Beispiel Sportfreund Herbert Strokosz, seit 1949 Mitglied in der Sektion Tennis und hat seit 1953 bis 2002 als Schatzmeister bzw. Hauptkassierer (ohne Unterkassierer) die finanziellen Obliegenheiten mit Engagement wahrgenommen.

Diese umfangreichen Aufgaben (Kassierung, Vorbereitung und Abrechnung von Fahrten zu Punktspielen usw.) beanspruchten einen großen Teil seiner Freizeit. Als aktiver Tennisspieler war er lange Zeit Mitglied der 1. Herrenmannschaft (damals u.a. Bezirksliga) und dort Mannschaftsleiter. Die Funktion als Schatzmeister hat ab 2002 Reinhardt Zimmermann übernommen.

 

Folgende Sportfreunde nahmen die Funktion als Sektionsleiter/Abteilungsleiter bisher war:

Ab 1949: Roman Makuch

Ab 1954: Walter Albert

Ab 1957: Alfred Staroste

Ab 1983: Manfred Ebisch

 

Besonders bei Manfred Ebisch, Horst Räuschel und Reinhard Zimmermann bedanken sich die heutigen Tennismitglieder für den unermüdlichen Einsatz für den Verein, für die Organisation, für die Pflege der Anlage und die Aufopferung der Freizeit.

Neuanfang und Austritt im Jahr 2015

Am 21. August 2015 war es soweit – acht Mitglieder der Abteilung Tennis des SV Chemie Böhlen fanden sich zusammen um unseren neuen Tennisverein, den „Tennis Club Böhlen“, zu gründen. Dieser sollten als Grundlage und als Weiche für die Zukunft dienen. Nach turbulenten Ereignissen des Jahres 2015 beim SV Chemie Böhlen, entschieden sich die „alten“ Mitglieder in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 18. September 2015 zu einem Austritt der Sektion Tennis aus dem SV Chemie Böhlen. Dem Vorstand des SVC wurde der Antrag vorgelegt und diesem wurde zum 31. Dezember 2015 zugestimmt.

Ab dem 01.01.2016 übernimmt der Tennis Club Böhlen e.V. die Geschäfte der Sektion Tennis des SV Chemie Böhlen komplett. Unter (alter &) neuer Führung geht der Tennissport in Böhlen in eine gute Zukunft. Den Verein leiten verdiente Mitglieder, nämlich als erster Vorsitzender Reinhard Zimmermann und als sein Stellvertreter Manfred Ebisch. Als neuer Mann, im Bereich Finanzen, wurde als Schatzmeister Mathias Gerhardt gewählt. Als Koordinator für die Arbeit mit unserem Nachwuchs, übernimmt Jugendwart Thomas Reim die wichtigste Aufgabe.